Sonntag, 14. September 2008

Deutsch A1 und Kantonesisch

Ich habe meiner Freundin ein neues Buch besorgt um besser fit für den A1 Test zu werden. Ehrlich gesagt finde ich bis jetzt fast alles was ich diesbezüglich in der Hand hatte eine Frechheit. Da wird mit hochkomplexen Briefen oder Dialogen in Deutsch eingeführt, das ich schon immer Probleme hatte, das erstens zu lehren und zweitens nicht völlig den Faden zu verlieren für einen Einsteiger. Es wäre schön wenn sich mancher Verlag mal ansehen würde wie Lehrbücher für andere Sprachen aufgebaut sind, mit einem moderaten Anfangslevel und einem roten Faden... Ich glaube so langsam, dass alle nur deshalb sagen das Deutsch so schwer sei, weil die hiesigen Verlage nicht in der Lage sind ein Einsteiger Buch zu schreiben, bei denen der Anfänger nicht auf der allerersten Seite mit 1-200 neuen Wörter erschlagen wird.

Von Hueber habe ich nun das "Fit fürs Goethe-Zertifikat A1" gekauft. Es macht mich auch nicht wirklich glücklich, aber ich habe das Gefühl hier einen roten Faden zu haben, den ich als Tutor aufnehmen und konsequent verfolgen kann.

In der ersten Lernübung wird verlangt ein paar Verben und Adjektive in die Muttersprache zu übersetzen. Hier wird gleich klar welche Schwierigkeiten auftreten, da Chinesisch nicht so strukturiert ist wie eine europäische Sprache (ich kenne aber kein einziges Lehrbuch das auf diesen Umstand eingeht, denn witziger Weise sind die Lehrbücher in China auch zum Großteil aus Deutschland, lediglich erweitert um eine konkrete Übersetzung nach Chinesisch). Übersetzungen von z.B. bestellen, oder schmecken sind stark Kontextabhängig, bzw. echte äquivalente Wörter erst gar nicht vorhanden.


bestellen
寫菜  
se2 coi3 (sä schoi)
點菜 
dim2 coi3 (dim schoi)
*wörtlich: "Essen aufschreiben" bzw. "Essen auswählen", beides umgangssprachlich in der gesprochenen Sprache und in der Regel nur in der indirekten Sprache im Schriftlichen verwendet.


coi3 (schoi)
Essen / Gemüse
*je nach Kontext, in der Regel bedeutet es Essen

Für z.B. das bestellen im Internet verwendet man hingegen:
訂購
deng6 kau3 (den kau)
*wörtlich ungefähr "einen Kaufvertrag unterschreiben"


bitter

fu2 (fou)
*bei der Aussprache sollte man sich das so vorstellen, dass man das u tief anfängt und dann hochzieht. Das hab ich versucht mit einem ou wiederzugeben


süß
tim4 (tiem)
*kann man auch für bestimme Aspekte im übertragenen Sinn wie z.B. das Lächeln verwenden, aber nicht um auszudrücken das man z.B. jemanden "süß" findet.


ein bisschen
一啲 / 一啲啲
jat1 di1 / jat1 di1 di1 (jat die/ jat die die)
*ich tendiere dazu jat1 di1  mit ein bisschen und jat1 di1 di1 mit "klitzeklein" zu übersetzen. Man kann es aber auch anders herum sehen und jat1 di1 di1 mit ein bischen gleichsetzen und jat1 di1 mit wenig (würde meinem persönlichen Schema entgegenkommen, dass Verdoppelungen Verniedlichungen gleichkommt und dem Deutschen Wort+ -chen/-lein entspricht) 

wenig

siu2 (siu)


siu2 siu2 (siu)
sehr wenig

Der Gegensatz "viel" wäre:

do1 (doh)

多多
do1 do1 (doh)
sehr viel
*wird auch benutzt um verniedlicht den festen Stuhlgang zu umschreiben (~ einen Haufen machen) 

多多少少
do1 do1 siu2 siu2 (doh doh siu siu)
Mehr oder Weniger


kochen
 
zyu2 (tsü)
*aufpassen das man das ü nicht in die Länge zieht!

煮菜
zyu2 coi3 (tsü schoi)
Essen kochen


rauchen
食煙 
sik6 jin1 (sig jien)
*wörtlich: "Rauch essen"

無煙
mou4 jin1 (moh jien)
Rauchfrei
*Rauchverbot, wörtlich "kein Rauch" / "keinen Rauch haben"


schmecken
品嘗
ban2 soeng4 (ban sööhng)
*wird aber nicht so verwendet

好食
hou2 sik6 (hou sig)
(Das) Essen (schmeckt) gut

糖好甜
tong4 hou2 tim4 (tohng hou tiem)
(Der) Zucker (schmeckt) süß
*am Besten denkt man als Deutscher "schmecken" im Sinne von "ist" 

riechen bedeutet:

hoeng1 (höng)

香港
hoeng1 gong2  (höng gong)
Hong Kong 
*wörtlich: "(Der) duftende Hafen" 


trinken
jam2 (jam)


wunderbar
奇妙
kei4 miu6 (käi miu)
*nach einer Diskussion sind wir zum Schluß gekommen 奇妙 bedeutet "wunderbar"  ("Gefühlswort") und 絕妙  zyut6 miu6 (tschü miu) bedeutet soviel wie "perfekt" ("Kopfwort")

Keine Kommentare: