Sonntag, 31. August 2008

咁 so


gam3 (gum)
so
*diesen Ausdruck gibt es nur im Kantonesischen

咁叻
gam3 lek1 (gum lä)
so klug

咁快
gam3 faai3 (gum faai)
so schnell

咁怪
gam3 gwaai3 (gum gwaai)
so seltsam / so merkwürdig
*...sagt meine Freundin immer, wenn ich zwar die Wörter richtig ausspreche, aber die Tonhöhen nicht treffe...

gam3 ersetzt hou2 wenn als Verstärkungswort verwendet. Beides zusammen wird nicht verwendet. d.h.:
好快 <-> 咁快 (hou2 faai3 <-> gam3 faai3)
咁好快 gam3 hou2 faai3 !

Aber es gibt:
咁好
gam3 hou2 (gum hou)
so gut!

Samstag, 30. August 2008

鬼佬 (weißer) Ausländer

鬼佬
gwai2 lou2 (gwai loo)
(weißer) Ausländer / "menschlicher Geist" bzw. "weißer Teufel" (wenn als Schimpfwort verwendet)
*鬼 gwai kann sowohl Geist als auch Dämon bedeuten. 佬 loo sowohl Mann als auch Mensch(en) an sich. Diesen Ausdruck für "Weiße" (so weiß wie ein Geist/Toter) gibt es nur im Kantonesischen. Wie beim Japanischen "Gaijin" kann man darüber streiten, ob der Begriff ein Schimpfwort ist oder nicht. Ich halte es so, dass es auf den Kontext ankommt. Auch im Deutschen kann man Begriffe wie Ausländer, Schwarze, etc. neutral verwenden, oder betont rassistisch. "Politisch Korrekt" ist das eine wie das andere jedenfalls nicht.

香 riechen (Geruch)

好香
hou2 hoeng1 (hou höng)
gut riechen / etwas oder jemand riecht gut

你好香
nei5 hou2 hoeng1 (läy hou höng)
Du riechst gut

串燒菠蘿雞肉好香
cyun3 siu1 bo1 lo4 gai1 juk6 hou2 hoeng1 (chün siu bolo gai yo hou höng)
(Der) Ananas-Hühnchen Grillspieß riecht gut

Mittwoch, 27. August 2008

叻 klug


lek1 (lä)
klug / clever
* lek1 ist einer dieser Jyut Ping Umschriften die mir ein echtes Rätsel darstellen. Sobald ich auch nur ansatzweise im Freundeskreis nach dem lä ein k, g oder d anzudeuten versuche, wird schon heftigst protestiert. Beschränke ich mich auf ein simples lä wie in 靚靚 leng3 leng3 (läng läng) (= schön (sein)) sind alle glücklich... ich hingegen wäre glücklicher, wenn mir jemand diese Umschrift erklären könnte.

我好叻
nei5 hou2 lek1 (läy hou lä)
Du (bist) sehr klug
* normalerweise ohne 係

我係好叻
nei5 hai6 hou2 lek1 (läy hai hou lä)
Du bist sehr klug
* zwar völlig korrekt, aber hier zeigt sich wer das melodische Sprachgefühl für Kantonesisch hat: läy hou lä geht schön im Auf- und Ab-Rythmus von der Lippe. Ist da ein hai dazwischen, ist das ein bischen "versaut"

我是誰 Jackie Chan ist Nobody

Gestern lief im TV 我是誰 (Who am I) mit Jackie Chan.

Interessant ist der Titel. Seit Jahren schon versucht Hong Kong den Spagat zwischen Kantonesisch und Mandarin für den Massenmarkt auf dem Festland. Oftmals mit skurrilen Ergebnissen, wenn ein Schauspieler Kantonesisch und der andere Mandarin spricht im Dialog. Da kommt die erotische Spannung von "Gefahr und Begierde" z.B. nicht mehr glaubwürdig beim chinesischen Publikum an.

我是誰 (ngo5 si6 seoi4*2) ist aus dem Mandarin nach Kantonesisch migriert, kein Kantonese würde das normalerweise in dieser Art und Weise sagen. Daher wirkt ein durch die afrikanische Steppe laufender Jackie Chan, der 我是誰 ruft, durchaus doppelt "witzig".


Die korrekte Form im Sprachgebrauch wäre:

我係邊個?
ngo5 hai6 bin1 go3 (ngoh hai bin go)
Wer bin ich?

Montag, 25. August 2008

雞同鴨講 Huhn redet mit Ente - Sprichwort

雞同鴨講
gai1 tung4 ngaap3 gong2 (gai tung njaap gong)
(Ein) Huhn redet mit (einer) Ente
* Ein Sprichwort dass bedeutet, das zwei aneinander vorbeireden (aber dennoch schnattern sie munter weiter). Es gibt übrigens auch einen Hong Kong Comedy Film von 1988 mit diesem Titel, der in Deutschland unter dem Titel "Ente gut, alles gut" ein paar mal im TV lief.

Online Quellen

Wie schon im ersten Post erwähnt, eine Standardquelle für Kantonesisch im Internet ist für mich das CantoDict.

Der Cantonese Podcast ist bedingt zu gebrauchen, die Podcasts haben einen eigenwilligen Stil, sind aber von der Aussprache her sehr klar und deutlich (eigentlich schon übertrieben).

Wie fast alle öffentlich rechtlichen Radiostationen auf der Welt bietet auch RTHK aus HK einen Sprachkurs an: Naked Cantonese Podcast.

Eine Einführung mit Grundwortschatz und eigenwilliger Umschrift (ich kanns jedem nur empfehlen eine individuelle zu entwickeln neben Jyut Ping) gibt es auf Learn Cantonese.

Einen weiteren Grundkurs gibt es auf Chinese Lessons. Ebenfalls mit abgewandelter Umschrift.

Etwas vorsichtiger sollte man mit Quellen aus dem Bereich Singapur/Malaysia sein. Der Schmelztiegel dort vermischt sehr gerne Kantonesisch mit Japanischen und Malaysischen Sprachelementen, in einem Tempo, bei dem selbst Hong Kong alt und starr aussieht. Wer das nicht kennt, läuft schnell in die Irre.

Sonntag, 24. August 2008

醜 häßlich - Schimpfwort

好醜
hou2 cau2 (hou kau)
(Er/Sie ist) sehr häßlich
*heftiges Schimpfwort / Beleidigung

好醜怪
hou2 cau2 gwaai3 (hou kau gwaai)
(Er/Sie ist) sehr abnormal/grotesk häßlich
*heftiges Schimpfwort / Beleidigung

Im Chinesischen, wie auch z.B. im Japanischen, sind negative, persönliche Attribute gleichbedeutend mit einer handfesten Beleidigung und Ehrverletzung. Mit der man im Besten Fall einen Streit auslöst, oder man auch gleich Handgreiflich wird. Während man es als "Westler" noch als Coolness Faktor empfindet, sind Sarkasmus, oder Ironie unbekannt bzw. nicht witzig in China als Spaßform an sich und führt durchaus zu heftigen verbalen, oder handgreiflichen Reaktionen.

In Japan hingegen macht man sich in der Regel zum Idioten, bzw. Ausgegrenzten, wenn man damit öffentlich um sich wirft, es sei man hat es mit Personen aus dem zwielichtigen Milleu zu tun. Leute die sich hier nicht an die Spielregeln halten, werden systematisch in Japan isoliert und Freundschaften gehen da sprichwörtlich den Bach herunter (was der Fluss fortträgt kommt nicht wieder, in dieser Ideologie wird Vergessen betrieben, d.h. radikal, endgültig).

In Hong Kong, auch ausgelöst durch die coolen Gangsterfilme, wird man durchaus diese Art von Sarkasmus verstehen und mit Lachen. Die Leute gehen damit lockerer um, und von Hong Kong Chinesen lernt man in der Regel auch sehr schnell, sehr heftige Schimpfwörter. Sie gehören teilweise dort auch zur Alltagssprache. Witzig, solange man nicht spätestens die Familie mit reinzieht. Die Familie, egal von wem, verflucht man nicht. Da habe ich auch HKnesen geschockt gesehen, die dann versuchen schnell zurück zu rudern.

In Guangdong schon eher weniger, und heftiges versucht man zu vermeiden, solange man nicht ernsthaft Streit sucht. Alltags "Dirtytalk" hat in Vergleich zu HK eher ein verklemmtes harmloses Niveau. Da in HK inzwischen sehr viele Festlandchinesen aus Guangdong arbeiten, sollte man das im Hinterkopf behalten, das es immer zwei Welten gibt. Festland Chinesen sind deutlich "chinesischer", als "verwestlichte" HK Chinesen die eine gewisse Dualität in ihrer Mentalität besitzen. Was für viele Belangen des alltäglichen Umgangs gilt.

Daher der Tipp, solange man also nicht weiß was man damit auslösen kann und man die Person vor sich nicht wirklich kennt, sich lieber (auch im Scherz) zurückhalten. Ansonsten gilt Darwins Gesetz, d.h. lernen durch Schmerz.

ng Aussprache

ng wie z.B. in ngau4 (njau) "Rind", oder in ngo5 (ngoh) "Ich" muss mit offenen Mund, ähnlich wie bei einem O gesprochen werden.

Bei ngo5 ist das noch recht einfach. Man fängt praktisch ein N an, hat aber den Mund geöffnet und spricht es aus und verändert die Mundöffnung zu einem O dabei. Das O bekommt dabei am Ende so einen leichten Hauch wie von einem H, manche beschreiben das auch als stummes R.

Bei ngau4 tritt eine leichte Lautverschiebung beim Übergang vom G zum A ein, die ich am ehesten als ein J umschreiben würde.

你 Du


nei5 (läy)
Du
*你 wird korrekt "näy" ausgesprochen, jedoch klingen für den Kantonesen N und L sehr ähnlich, in der Regel sogar identisch. Im alltäglichen Sprachgebrauch verrutscht der N Ton oft aus einer gewissen Faulheit zu L. Bei langsamen Sprechen hört man daher meistens ein deutliches "näy" heraus, beim schnellen in der Regel "läy" (was aber so manchen Kantonesen gar nicht bewußt ist)

Es ist übrigens ein guter Test herauszufinden ob man es mit einem echten Kantonesen zu tun hat: Null und Neun können sie nämlich kaum klanglich unterscheiden und sprechen es auch meistens sehr identisch aus, das nicht rollende R hingegen bekommen Kantonesen in der Regel sehr gut hin.

串燒 Grillspieß

串燒
cyun3 siu1 (chün siu)
Grillspieß / BBQ-Spieß / Spieß

串燒牛肉
cyun3 siu1 ngau4 juk6 (chün siu njau yo)
Rindfleisch Grillspieß

串燒菠蘿雞肉
cyun3 siu1 bo1 lo4 gai1 juk6 (chün siu bolo gai yo)
Ananas-Hühnchen Grillspieß

串燒猪肉畀你
cyun3 siu1 zyu1 juk6 bei2 nei5 (chün siu dschü yo bäy läy)
(Ich) gebe dir (einen) Schweinefleisch Grillspieß

串燒你
cyun3 siu1 nei5 (chün siu läy)
(Ich) spieße dich auf / (Ich) "grille" dich
*in der Regel scherzhaft zwischen Freunden gemeint

Motivation

"...weils sonst keiner tut..."

Meine Freundin lernt Deutsch, im Gegenzug lerne ich ihre Sprache. Sie lies mir die Wahl ob wir Mandarin oder Kantonesisch zusammen lernen... nach den ersten Gehversuchen war sie aber überzeugt das meine Ausprache von Mandarin einer Totalkatastrophe gleichkommt, ich aber Kantonesisch ganz passabel auf die Reihe bringe ...obwohl mit 6 Tonhöhen deutlich komplexer...

Gibt es für Mandarin noch sehr viele Lehrbücher, sieht das für Kantonesisch hingegen sehr düster aus. Obwohl allein in China von fast 100 Millionen Menschen gesprochen, Hong Kong Filme weltweiten Erfolg feiern und es die Standardsprache von Auslandschinesen ist.

Im Englischen gibt es zumindestens ein paar brauchbare Werke, im Deutschen gibt es soweit ich weiß nur zwei Bücher, die meines Wissens auch mehr den Touristen ansprechen sollen. Auch im Internet ist nicht viel zu finden, aber für mich meine bevorzugte Sekundärquelle. Die Ursachen dürften vielfältig sein. Wer mit Chinesen Business treiben will, der wird und muss eigentlich Mandarin lernen! Kantonesisch dürfte diesbezüglich keinen Benefit bedeuten. Auch gibt es teilweise große Unterschiede zwischen Hong Kong Kantonesisch (sehr schnell mutierend und viele Fremdsprachelemente permanent integrierend), Guangdong Kantonesisch (Kantonesisch der Festland Chinesen) und das Auslandschinesen Kantonesisch (Teilweise sehr "altmodisch" für Kantonesische Ohren). Z.B. bedeutet ci1 sin3 黐線 verrückt, in Hong Kong benutzt man aber gerne ci1 q sin3 黐Q線 was soviel wie total verrückt bedeutet und ein Englisches Q integriert. Festland Chinesen kennen diese Form überhaupt nicht. Auch die Schrift ist ein Problem, in Hong Kong wird die Traditionelle Chinesische Schrift verwendet, die Guangdong Chinesen hingegen schreiben Kantonesisch im vereinfachten neuen Stil.

Daher habe ich beschloßen ein eigenes Memo Blog einzurichten, in dem ich meine neu gelernten Sprachelemente blogge.

Bekräftigt von der Empfehlung eines anderen Blogger aus Hong Kong habe ich mich entschlossen als Aussprache meine eigene Umschrift zu verwenden, neben der offiziellen Jyut Ping Form. Viele Wörter kann ich in der Aussprache nämlich nicht wirklich in dieser Form immer nachvollziehen.

Es ist etwas bedauerlich das es im Chinesischen nicht etwas vergleichbares wie aus dem Japanischen mit den Hiragana gibt, einer Silbenschrift mit wenigen Zeichen die alle Schriftzeichen zumindestens der Aussprache betreffend ersetzen kann. Hiragana war in wenigen Tagen erlernbar für mich, die riesige Flut an chinesischen Zeichen hingegen werde ich wohl nicht mehr erlernen. Ein erhebliches Problem stellt die Umschreibung der Tonhöhen da. In Jyut Ping durch eine Nummerierung gelöst. Aber selbst das löst das Problem für den Europäer nicht, die richtige Tonhöhen zu treffen. Ich zumindestens tu mir sehr schwer Unterschiede herauszuhören die sind äußerst fein und wendet man das im Gespräch an, kann es passieren das man glatt alles gelernte wieder vergißt und "flach" redet. Fehlt dann der Kontext, ist der Gesprächspartner erst einmal total ratlos. Es reicht nämlich nicht aus wie im Deutschen die Aussprache nur näherungsweise zu treffen. Dafür haben die gleichen Wörter zuviele verschiedene Bedeutungen, nur mit einer jeweils anderen Betonung. Daher würde ich behaupten, Kantonesisch ohne die Hilfe eines Muttersprachler lernen zu wollen, als nahezu unmöglich. Nur Muttersprachler wissen auf was es letztendlich ankommt, in dieser in seiner Betonung so enorm sensiblen Sprache. Wir Europäer haben gar nicht das Ohr um von z.B. einer Audio CD allein die Nuancen wirklich klar herauszuhören. Das müßen wir uns erst antraineren. Abgesehen davon aber finde ich, liegt Kantonesisch der deutschen Zunge gut, ähnlich wie Japanisch, was ich als noch leichter für uns in der Aussprache finde (Japaner sagen selber oft genug voller Erstaunen das Deutsche Japanisch praktisch akzentfrei hinbekommen).

Zum Schluß noch einen Link zum besten online Kantonesisch Lexikon das ich kenne: http://www.cantonese.sheik.co.uk/scripts/wordsearch.php?level=0

Wünschenswert wären sicherlich mehr Erklärungen z.B. für Anwendungsfälle, oder für Wörter die aus Mandarin assimiliert wurden, aber im Alltag kaum eine Verwendung finden.